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Total Recall

Die Reise eines völlig neu erzählten und generalüberholten TOTAL RECALL auf die große Leinwand begann 2008, als Produzent Toby Jaffe in einem Buchladen in der Science-Fiction-Abteilung stöberte. „Ich sah mir alle diese Bücher an, die ich als Jugendlicher gelesen hatte“, erinnert er sich. „Ich zog eine Sammlung der Geschichten von Philip K. Dick aus dem Regal und blätterte durch die Kurzgeschichte ,Erinnerungen en gros‘. Ich erinnerte mich sofort wieder daran, was für eine großartige Fantasie über in Erfüllung gegangene Wünsche sie ist.“

Wie jeder weiß, war Dicks Geschichte 1990 unter dem Titel Total Recall (Die totale Erinnerung) schon einmal für das Kino adaptiert worden. Jaffe begann zu überlegen, ob die Zeit nicht vielleicht reif sei dafür, Dicks Geschichte erneut für die Leinwand aufzubereiten. Er unterbreitete die Idee Neal H. Moritz, der die Kurzgeschichte las und sich noch einmal den Originalfilm ansah.

„Wir hatten den Eindruck, dass man der originalen Geschichte völlig neue Seiten abgewinnen könnte“, meint Moritz. „Indem wir uns die Geschichte ganz von Neuem vornahmen, hatten wir die Gelegenheit, uns den Figuren und der Handlung noch einmal ganz frisch zu nähern und sie zu vertiefen. Das fühlte sich unserer Meinung nach unverbraucht und gut an.“

Der Grund dafür ist einfach: Dicks Geschichte hat seit ihrer ursprünglichen Veröffentlichung in den 60er-Jahren nichts von ihrem Biss und ihrer Brisanz eingebüßt. „Es ist eine geniale Idee, dass man jemandem eine Erinnerung in seinen Kopf einpflanzt und dieser jemand nach dem Erwachen das Gefühl hat, das Erinnerte wirklich erlebt zu haben“, sagt Jaffe. Aus dieser Prämisse ergibt sich eine ganze Fülle von Fragen: Was ist Erinnerung? Wie können wir wissen, was sich wirklich in der Vergangenheit abgespielt hat?

„Das Konzept von Rekall, wie es von Philip K. Dick in seiner Geschichte erdacht worden war, war der Grund für mich, Regie bei diesem Film führen zu wollen“, sagt Len Wiseman, den man vor allem für die Inszenierung der ersten beiden Underworld-Filme (Underworld, 2003; Underworld: Evolution, 2006) und Live Free and Die Hard (Die Hard 4.0, 2008) kennt. Wiseman verfügt aber auch über viel Erfahrung in künstlerischer Gestaltung: Er war an der Art-Direktion von bahnbrechenden Science-Fiction-Großproduktionen wie Independence Day (Independence Day, 1996) und Stargate (Stargate, 1994) beteiligt. Wisemans Ansatz für den Film war es, sich noch intensiver mit der Hauptfigur auseinanderzusetzen und sie in einer Mischung aus Psychothriller und Actionfilm agieren zu lassen, die eher zufällig auch in der Zukunft spielt.

„Wir hatten das Glück, dass er den Film machen wollte und mit ihm an Bord ging dann alles auch ganz schnell“, meint Moritz.

Anstatt die Handlung auf den Mars zu verlegen, erzählt Wiseman seine Geschichte auf einer weit in der Zukunft liegenden Erde, die von zwei Nationen dominiert wird – die United Federation of Britain und The Colony. Man ließ sich dabei von Dick inspirieren, sagt Wiseman: „Wenn man auf der Erde bleibt, kann man die Hauptfigur ganz andere Dinge erleben lassen.“

„Als wir uns vor Augen führten, dass Dick seine Figuren auch nicht auf den Mars geschickt hatte, eröffneten sich auf einmal ganz andere Möglichkeiten“, weiß Jaffe. „Als wir uns die Freiheit nahmen, die Figur wie Dick auf der Erde zu behalten, waren wir nicht mehr an die Kulisse und die Ära gebunden und mussten uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie er den Planeten verlässt und wieder zurückkehrt.“

Wiseman wählte Colin Farrell für die zentrale Rolle des Douglas Quaid aus. „Es war besonders wichtig, dass Quaid ein ganz normaler Typ ist“, erklärt Jaffe. „Durch Colins Darstellung erhält die Figur aber etwas Genialisches. Man mag diese Figur sofort, man spürt regelrecht, dass er ein wahrhaftiger, aufrechter Kerl ist, der tatsächlich in einer Fabrik arbeiten könnte.“



„Es ist eine ganz gewöhnliche Geschichte, die Geschichte eines Mannes, der das Gefühl hat, dass er nicht das richtige Leben führt. Er verspürt eine Unzufriedenheit mit seinem Schicksal“, sagt Farrell. „Aber dann erlebt er ein unsanftes Erwachen, als er feststellt, dass er tatsächlich nicht das Leben führt, das er eigentlich leben sollte. Quaid hat keine Ahnung, wer er wirklich ist, sondern hat nur ein an ihm nagendes Gefühl, dass es da noch etwas anderes ist. In dem Film geht es darum, dass er herausfinden muss, wer der wahre Quaid ist.“

„Ich wollte wirklich so tief in Quaids Erleben eintauchen, wie es möglich ist“, meint Wiseman. „Stellen Sie sich doch einmal vor: Man wacht auf, geht seinen Geschäften nach und ist fest davon überzeugt, ein guter Mensch zu sein. Auf einmal fangen alle Menschen um einen herum an, dich als Bösewicht zu bezeichnen. Was würde man machen?“

Diesen Gedanken verlor Farrell nie aus dem Kopf. Er begann, seine Rolle als ständigen Kampf zwischen Emotion und Intellekt anzulegen und versuchte, eine Balance zwischen den beiden Polen zu finden. „Man wird mit Dingen wie Identität, Ich und Über-Ich konfrontiert – es macht Spaß, ein wenig durch den psychologischen Sumpf zu waten“, erklärt er.

Bei der Vorbereitung auf die Figur stellte Farrell ein paar ungewöhnliche Dinge an. Unter anderem übernachtete er in den Kulissen von Quaids Wohnung. „Ich wollte einfach herausfinden, wie es sich anfühlt, einen Abend dort zu verbringen und am nächsten Morgen in Quaids Bett aufzuwachen“, sagt Farrell. „Ich muss gestehen: Es war ganz wunderbar.“

„Colin verschrieb sich der Rolle mit Haut und Haar“, merkt Produzent Neal H. Moritz an. „Er ist in so gut wie jeder Szene zu sehen. Es gab viele Tage, an denen er die ganze Zeit pudelnass im Regen verbringen musste. Und trotzdem gab es keinen Abend, an dem er nach der letzten Klappe nicht auch noch zum Yoga oder ins Fitness-Studio ging, wo er Gewichte stemmte.“

Die Filmemacher standen anschließend vor der Herausforderung, die beiden weiblichen Hauptrollen zu besetzen: Lori und Melina.

Für die Rolle der Lori, Quaids vermeintlich liebende Ehefrau, die sich als eiskalte Killerin erweist, sicherten sich die Filmemacher die Mitwirkung von Kate Beckinsale, die seit sieben Jahren mit Regisseur Len Wiseman verheiratet ist. Die beiden arbeiteten davor bereits bei den Underworld-Filmen miteinander.

Beckinsale sagt, dass ihr das Projekt vor allem deshalb so zusagte, weil man ihr eine derart zweischneidige Rolle noch nie zuvor angeboten hatte. „Ich habe noch nie einen Bösewicht gespielt. Bisher war ich immer auf der Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit“, erklärt die Schauspielerin. „Spannend finde ich aber, dass meine Figur tatsächlich auch davon überzeugt ist, auf der Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Das ist so großartig an diesem Film – man kann nie genau sagen, wer auf der richtigen Seite steht. Dazu kommt, dass sie immer ein bisschen mit dem Wahnsinn liebäugelt. Für einen Schauspieler ist das immer eine willkommene Herausforderung.“

Im Drehbuch war Lori eigentlich als Blondine beschrieben, aber Wiseman fand, dass es sinnvoller und nachvollziehbarer sein würde, wenn man eine Schauspielerin besetzen würde, die Melina, Quaids wahrer Liebe, äußerlich ähneln würde. „Meine Idee war, ihm eine falsche Ehefrau zur Seite zu stellen, die äußere Ähnlichkeiten mit seiner eigentlichen Geliebten haben sollte“, erklärt er. „Wenn seine oberflächliche Erinnerung zurückkehrt, ist es einleuchtend, wenn sie eine vage, familiäre Ausstrahlung besitzt.“

Für die Darstellung der Melina mussten die Filmemacher eine Schauspielerin finden, die den immensen körperlichen Ansprüchen der Rolle gewachsen war. Melina taucht zuerst in Quaids Alpträumen auf. Als man sie dann aber in Fleisch und Blut erlebt, hilft sie ihm, sein vorheriges Leben wiederzuentdecken. „Sie ist sein Navigationssystem – sie lotst ihn zurück nach Hause“, meint Farrell.

Wiseman wählte Jessica Biel für die Rolle aus. Biel gefielen die Themen der Geschichte. „Wir befassen uns eingehend mit einem der entscheidenden Elemente von Philip K. Dicks ursprünglicher Geschichte: Es geht um Fragen der Identität, um Beziehungen“, sagt Biel. „Er erinnert sich nicht an sie ... Er erinnert sich nicht daran, dass sie einander liebten, dass sie eine große Leidenschaft verbindet. Das interessierte mich.“

Farrell erinnert sich noch gut an einige Diskussionen zwischen ihm, Biel und Wiseman, die bis in die tiefste Nacht andauerten. „Es gab einfach unendlich viele Fragen, die wir uns über unsere Figuren stellten“, überlegt er. „Jessica war genau die richtige Person, mit der man sich darüber zwischen zwei Einstellungen unterhalten konnte. Sie, Len und ich trafen uns auch noch oft nach Drehschluss, um uns weiter zu unterhalten. Eines Abends gingen wir noch zu dritt in Lens Hotel und saßen Stunden zusammen. Wir spielten endlos lang Ideen und Dialoge miteinander durch.“



Biel sagte ganz besonders die Chemie zwischen Farrell und ihr vor der Kamera zu. „Colin ist einer der entscheidenden Gründe, warum diese Erfahrung eine so erfreuliche war“, erklärt sie. „Es ist inspirierend, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Ich finde seine Darstellungen immer faszinierend vielschichtig, kompliziert und komplex.“

„Für die weiblichen Rollen brauchten wir Schauspielerinnen, die nicht nur sympathisch und attraktiv sein sollten, sondern auch ordentlich hinlangen können mussten“, sagt Moritz. „Jessica Biel kann kämpfen wie der Teufel und Kate Beckinsale kann dem Teufel vermutlich zeigen, was eine Harke ist. Die beiden waren während des gesamten Drehs einfach unglaublich, gerade in den Szenen, in denen ihnen körperlich alles abverlangt wurde.“

Für die Darstellung des skrupellosen Cohaagen, Kanzler der United Federation of Britain, wandten sich die Filmemacher an Bryan Cranston, der für seine unglaublichen Leistungen in der Hauptrolle von „Breaking Bad“ dreimal in Folge einen Emmy gewinnen konnte und dreimal in Folge für einen Golden Globe nominiert wurde.

„Bryan strahlt eine große Intensität aus, seine Eloquenz und seine so ganz und gar nicht weichgespülte Persönlichkeit machen sich ausgezeichnet auf der großen Leinwand“, sagt Jaffe. „Das ist der Grund, warum er als Schauspieler so gefragt ist.“



Cranston erklärt, dass er seine Figur nie als „Schnurrbart zwirbelnden Bösewicht“ sah: „Die Figur des Cohaagen fand ich so interessant zu spielen, weil ich einen Mann zeigen wollte, der dieses Bedürfnis, dieses absolute Verlangen hat, die Dinge zu kontrollieren. Gleichzeitig hat er eine große Sympathie für die von Colin Farrell gespielte Figur. Ich wollte ihn als Vaterfigur spielen, der Quaid behandelt, als sei er ein rebellischer Teenager, dem man weniger Zuckerbrot und mehr die Peitsche geben muss.“

Der vielfach prämierte Schauspieler Bill Nighy stößt als Matthias zur Besetzung, der Anführer des Widerstandes gegen die UFB. Nighy, der mit Wiseman an allen vier Underworld-Filmen gearbeitet hat, sagt, dass ihn die Mitwirkung an TOTAL RECALL vor allem wegen des Regisseurs reizte.

„Ich mag ihn ganz besonders“, meint Nighy. „Er hat immer schon großartige Filme gemacht – seinen Die Hard with a Vengeance (Stirb langsam 4.0, 2008) habe ich geliebt. Aber dann las ich das Drehbuch und das haute mich völlig aus den Socken. Ich lese viel Science-Fiction, und mir gefielen die vielen Ideen, die in diesem Projekt angesprochen werden.“

COLIN FARRELL
KATE BECKINSALE
JESSICA BIEL
BRYAN CRANSTON
JOHN CHO
und
BILL NIGHY


Regie
LES WISEMAN

Produktion
NEAL H. MORITZ und TOBY JAFFE

Drehbuch
KURT WIMMER und MARM BOMBACK

Kinostart: 23. AUGUST 2012

www.total-recall-film.de

Cover

Hair by Paco